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SIDEWINDER   Exhibit • Galeries of the City of Salzburg • Galerie am Mozartplatz   July 16 / August 29, 2008

 

“For love is as strong as death” – this motto, taken from King Salomon’s Song of Songs, is at the programmatic center of the Salzburg Festival in 2008. The artist Stefanie Schneider, who lives in Berlin and Los Angeles, is spurred to her work by this irresolvable connection between love and death. The dramatic tension between Eros and Thanatos, which has inspired litera- ture, art and theater for centuries, takes on an unsettling forcefulness in her photographic cycles.The focal point of the exhibit is the photographic cycle Sidewinder, from which the image of the poster and annual program of this year’s Salzburg Festival are also taken. Sidewinder was created during a five-week sojourn by Stefanie Schneider in the remote town of 29 Palms. In the seclusion of the Californian desert, the artist – director and protagonist at the same time – conducts a risky experiment: the topic of her photographs is her encounter with a man she did not know previously. The photographs show the emotionally charged relationship between proximity and distance, intimacy and strangeness. While the photographic narration follows a kind of script, it remains open to the viewer’s own associations and non-controll- able processes. Here, Stefanie Schneider is working at the intersections of photography and film.This body of works is complemented by photographs from her cycles Long Way Home, The Last Picture Show and 29 Palms, CA. The material, consisting of Polaroids past their sell-by dates, lends the photo- graphs a picturesque, poetic quality through its defects, flaws and blank spaces. The motifs of the background are taken from Hollywood’s dream factory. The fragmentation and dissolution of the pictures, moving as they do between dream and intoxication, take up the clichés of the American Dream in order to question them and at the same time to illustrate their lasting power to fascinate. In cooperation with Galerie Robert Drees, Han- nover, www.galerie-robert-drees.deSIDEWINDER   Ausstellung • Galerien der Stadt Salzburg • Galerie am Mozartplatz16. Juli bis 29. August 2008.

„Denn stark wie die Liebe ist der Tod“, dieses Motto, dem Hohelied Salomos
nachempfunden, gibt den Salzburger Festspielen 2008 ein programmatisches Zentrum. Auch die in Berlin und Los Angeles lebende Künstlerin Stefanie Schneider ist in ihrer künstlerischen Arbeit durch diesen unlösbaren Zusam- menhang von Liebe und Tod angetrieben. Der über Jahrhunderte Literatur, Kunst und Theater inspirierende Spannungsbogen von Eros und Thanatos gewinnt in ihren fotografischen Zyklen eine verstörende Eindringlichkeit. Im Zentrum der Ausstellung steht der fotografische Zyklus Sidewinder, dem auch das Bildmotiv für das Plakat und das Jahresmagazin der diesjährigen Salzburger Festspiele entnommen ist. Sidewinder entstand während eines fünfwöchigen Aufenthalts von Stefanie Schneider im entlegenen Ort 29 Palms. In der Abgeschiedenheit der kalifornischen Wüste lässt sich die Künstlerin – Regisseurin und Akteurin zugleich – auf ein riskantes Experi- ment ein: Thema der Aufnahmen ist die Begegnung mit einem ihr zuvor unbekannten Mann. Die Fotografien vermitteln die emotional aufgeladene Beziehung zwischen Nähe und Distanz, Vertrautheit und Fremdheit. Die fotografische Erzählung folgt zwar einer Art Drehbuch, bleibt aber offen für eigene Assoziationen und nicht steuerbare Prozesse. Dabei bewegt sich Stefanie Schneider an den Schnittstellen von Fotografie und Film. Diese Werkgruppe wird ergänzt durch Fotografien aus den Zyklen Long Way Home, The Last Picture Show und 29 Palms, CA. Das abgelaufene Polaroid-Mate- rial vermittelt den Fotografien durch Störungen, Fehler und Leerstellen eine malerisch poetische Qualität. Die motivischen Hinter- gründe sind der Hollywood-Traumfabrik entnommen. Die Fragmentierung und Auflösung der sich zwischen Traum und Rausch entfaltenden Bilder nimmt die Clichés des American Dream auf, um sie infrage zu stellen und gleichzeitig ihre anhaltende Faszination spürbar werden zu lassen. In Kooperation mit der Galerie Robert Drees, Hannover, www.galerie-robert-drees.de.



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Von der Raserei des Augenblicks der Liebe

30. Juli 2008  |  09:38  |   Gudrun Weinzierl (SN).

„Sidewinder“: Wie die Fotografin Stefanie Schneider aus einer Autofahrt Bildmotive für die Salzburger Festspiele gewann...
 
Gudrun Weinzierl
Salzburg (SN).
Ein Mann in weißem Unterhemd, mit roter Krawatte und schwarzem Hut beklei- det, küsst den Hals einer Frau. Dieses Foto wurde für das Plakat und Titelbild des Magazins der Salzburger Festspiele 2008 ausgewählt.

Was hat es mit diesem vampirhaften Kuss auf sich? Dies verrät eine Fotoaus-stellung in den Gängen der Kulturabteilung der Stadt Salzburg (Mozartplatz 5) mit weiteren Bildern der Fotografin Stefanie Schneider. Es ist eine Raserei des Augenblicks, die am Beginn eines riskanten fünfwöchigen Beziehungsexperi- ments steht, aus dem eine Fotoserie mit dem mehrdeutigen Titel „Sidewinder entstanden ist. „Sidewinder“ bedeutet übersetzt sowohl Klapperschlange als auch Rakete.

Das Foto trägt den Titel „Frenzy“, eine Anspielung an Hitchcocks Thriller. Es ent- stand kurz nach dem Kennenlernen des Paares am Treffpunkt vor der Copper Penny Sunday School in Kalifornien.

Stefanie Schneider ist primär Fotografin, doch immer wieder übernimmt sie - etwa für Fotoserien wie ihren 2005 entstandenen und „durchlebten“ Fotoroman „Sidewinder“ - auch die Funktion von Regisseurin und Darstellerin. Als Fotografin für „Sidewinder“ hat sie ihre eigene Schwester engagiert.

Ihren Liebhaber hat sie per Internet gesucht, es ist JD Rudometkin, Poet, Song- writer, Musiker und ehemaliger Prediger. Die Handlung der Fotofolge und der da- zu entstandenen DVD sollte vom Leben der beiden, ihrer Nähe und Distanz, ihren Konflikten, Obsessionen, ihrer Vertrautheit und Fremdheit zugleich bestimmt wer- den und offen bleiben für den Augenblick – bis hin zum letzten Bild, in dem die beiden im offenen Cadillac in die Unendlichkeit des Landes hinausfahren: Rudo- metkin blickt als Fahrer nach vorn, Schneider blickt zurück, dem hinter ihnen Lie- genden zugewandt.

„Sidewinder“ ist die Geschichte einer Autofahrt zwischen dem abgeschiedenen Ort 29 Palms und Los Angeles, eine Geschichte des Unterwegsseins, eine Meta- pher auch für Stefanie Schneiders Leben, das unscharf, porös, in alle Richtungen offen erscheint.

Stefanie Schneider wurde 1968 in Cuxhaven geboren. Seit Abschluss ihres Studi- ums an der Folkwang Schule in Essen lebt sie abwechselnd in Los Angeles und Berlin. Ihre Schauplätze findet sie in kalifornischen Vorstädten, an einsamen Or-
ten, in wüstenartigen Gebieten. Ziel ihrer Untersuchungen ist das amerikanische Leben an der Peripherie, die Träume junger Frauen und stereotyper Männer in weißen Achselshirts. Stefanie Schneiders Personen treten wie Protagonisten ei- nes Roadmovies auf, sind unterwegs, leben in Wohnwagen, begegnen einander in Motels, nützen die Gunst des Augenblicks, stellen keine Fragen nach der Zukunft.

Die Bilder sind verblasst und fleckig, sie wirken überbelichtet und fehlfarben. Für ihre Aufnahmen verwendet Stefanie Schneider ausschließlich Polaroidfilme, die abgelaufen sind. Was üblicherweise als schlechte Bildqualität gilt, hat die Künst- lerin zu ihrem Prinzip erkoren: Der Zufall entscheidet, was erscheinen wird, der fotochemische Prozess ist ungewiss, die Eigendynamik des unkontrollierbaren Materials steht über dem Wollen des Fotografen. Nichts wird verändert, nichts nachbearbeitet. Beständig werden die Polaroids erst, wenn sie im Studio in Ber- lin neu aufgenommen und für ihre Präsentation als C-Print auf Holz oder Alumi- nium stark vergrößert werden.

So sind es nicht ausschließlich das kalifornische Sonnenlicht und die hitzeflim mernde Atmosphäre, die den Aufnahmen Schärfe und Brillanz nehmen, sondern das Material des Films, das diesen Bildern eine Stimmung von Vergangenem, Entrücktem und sich Auflösendem verleiht.

Mit ihrer Methode des Schnappschusses und der unzeitgemäß gewordenen Technik des Polaroids erzeugt Stefanie Schneider malerische Effekte. In den sehr irrealen Szenen um Erotik, Sex und Liebe schwingen das Vergängliche und der Tod mit.

„Sidewinder“. Mozartplatz 5. Die Ausstellung entstand in Kooperation der Galerie Robert Drees, Hannover, mit den Salzburger Festspielen. Bis 29. 8., Mo.– Fr. 12–18 Uhr. © SN/SW